Geschichte des Museums

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Die Anfänge

Das Nürnberger Schulmuseum besteht mit Unterbrechungen seit 1906. Gegründet wurde es durch den Bezirksverein Nürnberg des Bayerischen Lehrervereins und war zunächst kein Museum im eigentlichen Sinne, sondern eine Schul- und Lehrmittelausstellung, die Lehrenden aktuelle Lehr- und Lernmittel vorstellte. Dieses erste Schulmuseum, das zuletzt im Schulhaus Paniersplatz 37 untergebracht war, wurde 1944/45 durch Kriegseinwirkungen zerstört.

 

 Historischer Artikel Schulmuseum

Eröffnung des ersten Nürnberger Schulmuseums am 2. Dezember 1906.
Auszug aus einer Publikation des Nürnberger Lehrervereins, 1906.


 

Das moderne Schulmuseum

Sieht man von der Familie ab, gibt es keine Institution, durch die die menschliche Gesellschaft weltweit so nachhaltig und so entscheidend geprägt worden ist, wie durch die Schule.
- Prof. Dr. Max Liedtke, Begründer des wiedergegründeten Schulmuseums

Max Liedtke, Professor für Pädagogik, seit 1973 an der Universität Erlangen-Nürnberg, begann für seine Seminare zur Geschichte der Pädagogik und zur Schulgeschichte Anschauungsmaterial in Form von historischen Schulobjekten zu sammeln. Das Material stammte meist aus Kellern und Dachböden von Schulen und Privatleuten. Die Sammlung erreichte bald einen größeren Umfang und wurde schließlich mit der zwischen 1956 und 1968 angelegten historischen Schulbuchsammlung von Johannes Gutmann verknüpft. Gutmanns Sammlung umfasste zu dieser Zeit etwa 1500 Bücher. Heute ist sie Teil der Universitätsbibliothek und ist mit derzeit etwa 30.000 Büchern nach dem Institut für Schulbuchforschung in Braunschweig und der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Berlin die drittgrößte historische Schulbuchsammlungen deutschlandweit.

 

„Der Bildungsweg der Gattung Mensch. Geschichte des Lernens, Geschichte des Lebens, Geschichte zum Anfassen: Nürnbergs neues Schulmuseum“ (Nürnberger Zeitung, 26.10.85)

Bald wurde klar, welches Potential die alten Schulgegenständen bargen, die häufig von den Schulen im Zuge ihrer Modernisierung kurzerhand „entsorgt“ worden waren. Im Laufe der Zeit hatten Liedtke und sein Kollege Johann Günther Muhri eine beachtliche Anzahl an Objekten, vor allem aus den ländlichen Schulen, zusammengetragen. Längst diente die Sammlung nicht mehr allein der Anschauung im Pädagogikseminar. Liedtke gelang es Ende der 1970er Jahre das Bayerische Kultusministerium für einen doppelten Plan zu gewinnen:

Im Kultusministerium trug man sich seit Längerem mit dem Gedanken, ein zentrales Bayerisches Schulmuseum zu gründen, sah sich jedoch durch die geringe Quellenbasis in den staatlichen Archiven Bayerns blockiert. Liedtke bot seine Sammlung und eine Museumskonzeption zur Einrichtung dieses Bayerischen Schulmuseums und erhielt gleichzeitig Mittel zur Wiedergründung des Nürnberger Schulmuseums zur Verfügung gestellt. Beiden Museen sollten künftig eng mit einander kooperieren.

Fortführung der Tradition des Schulmuseums am Paniersplatz

Schließlich übernahm die Universität die Trägerschaft des Museums und damit die laufenden Kosten. Zusätzlich wurde ein Förderverein gegründet. Die Stadt Nürnberg garantierte die Nutzung des 3. Obergeschosses des Schulhauses am Paniersplatz als Ausstellungsräume sowie feste finanzielle Unterstützung über den Förderverein. Damit konnte die Tradition des Museums am historischen Ort fortgesetzt werden. 40 Jahre nach seiner Zerstörung und bald 80 Jahre nach seiner ersten Gründung eröffnete das Schulmuseum Nürnberg am 25. Oktober 1985 als "Schulmuseum der Universität Erlangen-Nürnberg" erneut seine Pforten.

Schulhaus am Paniersplatz 

Paniersplatz 37, Standort des historischen Schulmuseums bis 1945 und des modernen Museums 1985-1995

 

Eine Brücke schlagen zwischen Schule und Industriekultur –
Der Umzug ins Zentrum Industriekultur

Weil die Stadt die Räumlichkeiten am Paniersplatz infolge der steigenden Schülerzahlen selbst benötigte, zog das Schulmuseum 1995 in die ebenfalls von der Stadt bereitgestellten Räume im Zentrum Industriekultur – heute Museum Industriekultur. Der Umzug schränkte zwar die ursprüngliche Themenvielfalt der Ausstellung etwas ein, eröffnete aber auf der anderen Seite völlig neue Möglichkeiten. Nun konnte das Thema „Schule“ mit der Lebenswelt der Menschen im 19./20. Jahrhundert in besonders attraktiver Form verbunden werden – hierfür boten sich insbesondere die im Museum Industriekultur im Original rekonstruierten Lebensorte an, darunter eine Arbeiterwohnung und eine Fabrikhalle. Dies bot großes Potential, vor allem für die Führung von Jugendgruppen über den bereits am Paniersplatz praktizierten Historischen Schulunterricht hinaus. Nach der Überarbeitung der Dauerausstellung wurde das Schulmuseum am 12. Februar 1998 erneut als gemeinsame Einrichtung der Universität und der Stadt Nürnberg wiedereröffnet.

 

Bildung für alle – Neukonzeption des Schulmuseums

Im Jahr 2006 stellte das Schulmuseum seine Räume für die Landesausstellung „Franken in Bayern” zur Verfügung. Die Pause wurde für eine Neukonzeption gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studierenden und verschiedenen Schulen aus Nürnberg und dem Umland genutzt. Die neue Dauerausstellung wurde am 31. März 2008 eröffnet.


Schwerpunktsetzung & Inhalte

Das Schulmuseum am Paniersplatz (1985-1995) konzentrierte sich auf die mittelfränkische Schulgeschichte, bezog aber gleichzeitig auch die großen Linien der Entwicklung in Deutschland und das internationale Schulwesen mit ein, insbesondere die Situation in den Entwicklungsländern. Gleichzeitig wandte man sich auch der Geschichte der beruflichen Schulen, Förderschulen, der Realschule und des Gymnasiums zu, die in Schulmuseen im Allgemeinen eher selten thematisiert wurden. Liedtkes Ausgangsidee, die Darstellung der „Schulgeschichte im Zusammenhang der Kulturentwicklung“ – das Basiskonzept für das Schulmuseum in Ichenhausen – wurde in überarbeiteter und reduzierter Form integriert

Auch nach dem Umzug ins Zentrum Industriekultur war die Ausstellung von einer inhaltlichen Dreiteilung geprägt: Der große Einfluss von Schule auf die Entwicklung der Stadt Nürnberg, die Schule des Industriezeitalters und die Beziehung zwischen Bildung und Innovation. Für das letztgenannte Kapitel stand die enge Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen dem Volksschullehrer Friedrich Bauer und seinem Schüler Sigmund Schuckert im Mittelpunkt: Schuckert bezeichnete die Förderung durch diesen Lehrer als entscheidend für seinen eigenen, phänomenalen Aufstieg zum Gründer der Firma Siemens-Schuckert. Ein eigener Ausstellungsraum zur Entwicklung der Schreibgeräte und ihrer Rolle als Industrieprodukt sollte die Verbindung zu den Inhalten des Museum Industriekultur schaffen.

 

Die Neukonzeption der Dauerausstellung und der pädagogischen Angebote zwischen 2006 und 2008 knüpfte in den Grundzügen an die früheren Konzepte an. Das Museum bietet zum einen Raum als außerschulischer Lernort und für die Reflexion von Schule. Zum anderen soll es durch eigene Forschung und als „Trainingsfeld“ für Lehramtsstudierende zur universitären Lehre und Forschung beitragen. Die Dauerausstellung unter dem Motto „Bildung für alle“ thematisiert mit Blick auf die Schulgeschichte die Bedeutung der Ressource Bildung für den einzelnen Menschen, für Gesellschaft und Politik und für die wirtschaftliche Entwicklung.

 

Wer ist im Schulmuseum aktiv?

Das Schulmuseum verdankt seinen Erfolg der Unterstützung durch staatliche, kommunale und universitäre Stellen aber auch dem großen Engagement des Fördervereins und der Wissenschaftler des Lehrstuhls Pädagogik / Allgemeine Erziehungswissenschaft I sowie vieler Persönlichkeiten aus Schulen, Schulverwaltung und anderen Institutionen.

Nach Liedtkes Emeritierung 1999 übernahm seine Nachfolgerin Frau Prof. Dr. Annette Scheunpflug die Verantwortung für das Schulmuseum. Nach ihrem Wechsel an die Universität Bamberg im April 2013 wurde Herr Prof. Dr. Edwin Keiner als kommissarischer Vertreter eingesetzt. Seit 1. Mai 2014 ist das Schulmuseum wie die Sammlung auch, der Zentralen Universitätsverwaltung, Abteilung H2 - Körperschaft und Stiftungen zugeordnet.

Die Leitung des Schulmuseums übernahm von 1991 bis 2006 Michael Schneider, Lehrer und Fördervereinsmitglied der ersten Stunde. Schneider konzipierte und gestaltete während seiner Tätigkeit mehr als dreißig Wechselausstellungen, die an über 150 Orten gezeigt und von geschätzt über einer Million Menschen gesehen wurden.

Seit 2006 leitet der Historiker Dr. Mathias Rösch das Museum.