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Detailinfo Sammlung

Geschichte der Sammlung / institutionelle Anbindung

Die Schulgeschichtliche Sammlung entstand Mitte der 1970er Jahre auf Initiative des Pädagogikprofessors Max Liedtke. Sein Ziel war es, der stagnierenden Forschung zur Bayerischen Schulgeschichte neue Impulse zu geben und gleichzeitig Anschauungsmaterial für die universitäre Lehre bereitzustellen.

Die Basis der Sammlung besteht aus Spenden von Schulen, Archiven und Privatleuten. Sie gliedert sich in die Schulmaterialiensammlung und die historische Schulbuchsammlung.

Beide Sammlungen wurden 1974 unter Wahrung ihrer organisatorischen Eigenständigkeit zur  „Schulgeschichtlichen Sammlung” zusammengeführt und in den Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften, die spätere Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg (EWF), aufgenommen.

Die Schulbuchsammlung wurde zunächst von Prof. Liedtke selbst, ab 1977 durch die  Erziehungswissenschaftliche Zweigbibliothek der Universitätsbibliothek betreut, der sie schließlich 1984 offiziell zugeordnet wurde. Die Schulmaterialiensammlung war bis zum Frühjahr 2014 dem Lehrstuhl für Allgemeine Erziehungswissenschaft I (früher Pädagogik I) der Friedrich-Alexander-Universität zugeordnet. Seit 1. Mai 2014 ist die Sammlung, wie auch das Schulmuseum der Zentralen Universitätsverwaltung, Abteilung H2 - Körperschaft und Stiftungen zugeordnet.

Mehr Informationen unter: Geschichte des Schulmuseums

 Schulmaterialiensammlung

Die Schulmaterialiensammlung enthält alles, was die Geschichte von Schulalltag, Schulorganisation und Lehre dokumentiert. Darunter befinden sich Schulhefte und Zeugnisse, ca. 1.000 Fotos und unzählige Dokumente von Schülern und Lehrern, wie Prüfungsaufgaben, Kalender und Poesiealben, aber auch Dokumente zur Schulorganisation sowie Lehrmittel, Schreibgeräte, Schulmöbel, Karten und Wandbilder. Ja, selbst Übungshandgranaten aus dem Sportunterricht sind – neben vielen weiteren Exponaten – im Rahmen des Sammlungsgebiets „Schulunterricht in der DDR“ vertreten.

Für die wissenschaftliche Forschung besonders ergiebig sind die kompletten Bestände an Verwaltungsakten, Schülerbögen und  Schultagebüchern aus einzelnen Schulen sowie der mehrere tausend Objekte umfassende Bestand an Schulheften, Spickzetteln und Schülerbriefchen.

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf dem 19. und 20. Jahrhundert und auf dem bayerischen Raum. Die Sammlung enthält darüber hinaus aber auch deutlich ältere Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie Vergleichsobjekte aus aller Welt.

Die Materialiensammlung lieferte in den rund vierzig Jahren ihres Bestehens die Basis für den Aufbau von zwei größeren Schulmuseen – Nürnberg und Ichenhausen – und von über 40 Sonderausstellungen im Umfang von jeweils 200 bis 300 m2 Grundfläche. Ferner wurden vier weitere Schul- und Heimatmuseen mit umfangreichen Dauerleihgaben von Schulmöbeln und Objekten in ihrer Gründung unterstützt. Gerade der Verleih nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Vor allem Möbel und Schreibgeräte werden regelmäßig an Schulen, Seniorenresidenzen, Medien und Ausstellungen anderer Museen und Einrichtungen verliehen. Bekannte Leihnehmer waren unter anderem die Sendung „Wetten Dass“ (ZDF), das Ausstellungsprojekt zur Gründung der Firma C&A oder auch das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

Johannes – Guthmann - Schulbuchsammlung

Den Grundstock bildet die Sammlung an historischen Schulbüchern des damaligen Leiters der Zentralbibliothek der Pädagogischen Hochschule Nürnberg Johannes Guthmann. Der Bestand von 4.000 Büchern wurde 1952 an Prof. Liedtke übergeben. Mit Mitteln des Liedtke-Lehrstuhls, des Landes Bayern, der Universität Erlangen-Nürnberg und des Universitätsbunds Erlangen-Nürnberg e.V. wurde die Buchsammlung konsequent erweitert. Folgerichtig erhielt die Schulbuchsammlung nach Guthmanns Tod 1976 dessen Namen. Mit rund 7.000 Bänden konnte sich die Sammlung bereits Ende der 1970er Jahre als dritte große öffentliche Einrichtung ihrer Art in der Bundesrepublik Deutschland etablieren (nach den Sammlungen des Instituts für Schulbuchforschung in Braunschweig und der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Berlin). Diese Stellung behauptet sie bis heute. Die ca. 20.000 größtenteils aus Privatbesitz gespendeten Bücher dokumentieren die Schulbuchentwicklung im süddeutschen Raum (mit Schwerpunkt auf dem Raum Bayern).

Wissenschaftliche Forschung

Laufend erschließen wissenschaftliche Arbeiten die Bestände und es entstehen auf Basis der Sammlung wertvolle Beiträge zur historischen Bildungsforschung. Zu den bekanntesten zählen:

Liedtke, Max (Hg.): Lehrervereins-Protokolle Nürnberg 1821-1830. Aus den Anfängen der Lehrervereinsbewegung. Bad Heilbrunn/Obb. 1989.

Liedtke, Max (Hg.): Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens. 4 Bde., Bad Heilbrunn/Obb. 1991-1997.

Freyer, Michael: Vom mittelalterlichen Medizin- zum modernen Biologieunterricht. 2 Bde., Passau 1995.

Jensen, Gotthard B.: Schreibgeräte, unter besonderer Berücksichtigung von Schülerschreibgeräten: historische Entwicklung und kulturethnologische Verlaufsformen dieser Entwicklung (aufgezeigt an Kielfeder, Schiefergriffel und -tafel, Bleistift, Stahlfeder mit Halter und Füllfederhalter). (Diss.) Erlangen-Nürnberg 2004.

Urabe, Mashasi: Die Funktionen der deutschen Schulzeugnisse im geschichtlichen Abriss. (Diss.)Bad Heilbrunn 2009.

Universitäre Lehre

Die Objekte der Sammlung werden regelmäßig in Seminaren und Vorlesungen zur Geschichte der Schule und der Pädagogik genutzt. Die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber auch die allgemeine Lehrerausbildung an der Universität profitieren von der Nutzung der historischen Originale. Die Objekte motivieren in besonderer Weise zu einer intensiven Beschäftigung mit Bildungsgeschichte. Zugleich sind sie die Basis für Forschungsvorhaben der Studierenden, sei es in Seminaren, sei es in Zulassungs- und Bachelorarbeiten.

Partner und Förderer

Die Zentralkustodie der Universität ist für die Sammlung ein wertvoller Partner sowohl bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen als  auch bei der Entwicklung von Ausstellungen und Projekten. Wir danken ferner der Universität Erlangen-Nürnberg sowie dem Universitätsbund Erlangen-Nürnberg und dem Förderverein des Schulmuseums für die Unterstützung der konservatorischen und organisatorischen Vorhaben. Die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der universitären Sammlungen in Deutschland ermöglicht die laufende Fortbildung des Teams der Sammlung.

Aktuelle Herausforderungen

In den kommenden Jahren gilt es, die Bestände noch stärker für die Anforderungen moderner Forschung und pädagogischer Arbeit sowie für die beständige Nutzung durch Medien- und Kooperationspartner aufzubereiten und ihren langfristigen Erhalt zu sichern.

Die aktuelle Sammlungstätigkeit konzentriert sich darauf, die entsprechenden Lücken in den Beständen aus dem Zeitraum vor 1800 und zwischen 1933 und 1945 zu schließen. Noch nicht ausreichend dokumentiert ist ferner die historische Entwicklung der höheren Schulen. Ein umfangreiches Zeitzeugenprojekt zur Schulgeschichte zwischen 1930 und 1950 trägt seit 2011 zur Erfassung noch nicht erschlossener Objekte und Dokumente sowie zum Aufbau einer datenbankgestützten Film-Dokumentation zur Schulgeschichte bei.

Mit Nachdruck wird derzeit zusammen mit der Zentralkustodie und dem Regionalen Rechenzentrum der Universität an der Präsentation der Sammlung in einer digitalen Datenbank sowie an Lösungen für die besonderen Herausforderungen auf konservatorischem Gebiet gearbeitet.